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Speisepilze aus Bestattungswäldern könnten belastet sein!

 

Der Verband für Gedenkkultur rät Pilzsuchern, Bestattungswälder zu meiden. Denn die Totenasche, die hier dort in verrottbaren Urnen zwischen den Wurzeln der Bäume beigesetzt wird, kann ungewöhnlich hohe Schwermetallkonzentrationen enthalten. Inzwischen gab das Umweltbundesamt dazu eine Forschungsarbeit in Auftrag.

 

Deutschland erlebt im Moment einen Pilzherbst wie seit Jahren nicht. Während die Experten noch streiten, ob es am feuchten Sommer oder am Klimawandel liegt, füllen die Sammler noch bis zu den ersten Nachfrösten emsig ihre Körbe. Immerhin sind nur 150 Pilzarten unter den rund 5.000 Großpilzen in europäischen Wäldern giftig. In Deutschland geht man gar nur von 73 Giftpilzarten aus. Doch neben Fliegenpilz, Pantherpilz, Satans-Röhrling oder Grünem Knollenblätterpilz, die selbst die meisten Laien erkennen, sprießen in manchem Forst inzwischen auch Hutträger, die als essbar eingestuft sind – deren Unbedenklichkeit nicht völlig gesichert ist.

 

Die Rede ist von den Bestattungswäldern, in denen die Asche Verstorbener zwischen den Wurzeln von Bäumen beigesetzt wird. Mehr 200 als solcher Anlagen mit über vier Millionen Gräbern ziehen sich inzwischen durch das gesamte Bundesgebiet, überwiegend betrieben von privaten Anbietern. Die Grabstellen in diesen Arealen sind zwar örtlich fixiert, aber als solche nicht erkennbar, um den scheinbaren Eindruck eines unberührten Waldes zu bewahren. Zugleich sind diese Waldbestattungsreviere aber weitgehend von Unterholz beräumt, was sie für Pilzsammler leichter erschließbar macht als reiner Naturwald.

 

Doch damit ahnt der arglose Pilzsucher auch kaum etwas von der Lage und Menge langsam verrottender Urnen zwischen den Baumwurzeln. Denn da Verstorbene in den Krematorien auch samt künstlicher Hüftgelenke, Zähne oder Prothesen verbrannt werden, kann ihre Totenasche in diesen Fällen auch die darin enthaltenen Stoffe, darunter Schwermetalle aus Ofenbeschichtungen wie Chrom, Nickel, auch etwas Kadmium nicht bekannter Herkunft enthalten. Pilzen sieht man eine Schwermetallbelastung nicht an, auch lässt sich diese nicht am Geschmack erkennen. „Über das Umweltbundesamt sowie die Deutsche Bundesstiftung Umwelt laufen inzwischen Forschungsaufträge, die den Ursachen sowie dem Grad dieser Verunreinigungen nachgehen“, berichtet der Landschaftsplaner, Friedhofsberater und Natursachverständige Andreas Morgenroth.

 

Der Hamburger Experte beschäftigt sich bereits seit Jahren kritisch mit den Auswirkungen so genannter „Naturbestattungen“ außerhalb von gewachsenen Friedhöfen. So weiß er auch, dass die fadenförmigen Zellen der Bodenpilze – vom Fachmann Myzel genannt – bestimmte Schwermetalle bevorzugt aufnehmen. „Deswegen dienen Pilze in der Forschung oder bei der Ausleitung belasteter Substrate auch als so genannte Schwermetallanzeiger“, erläutert er. Laut Morgenroth kann die Konzentration einiger Schwermetalle in bodenbewohnenden Pilzen wie Morchel, Röhrling oder Riesen-Champignon „fünfmal so hoch sein wie unter belastungsfreien Bedingungen“.

 

Morgenroth unterstreicht die Problematik anhand weiterer Zahlen: „Jede Urne enthält bis zu drei Kilo Totenasche. Da in Bestattungswäldern pro Baum bis zu zehn Urnen beigesetzt werden, summiert sich das bei hundert Bäumen pro Hektar bereits auf drei Tonnen Asche.“ Deshalb unterstützt der Landschaftsökologe nachdrücklich die Empfehlung des Verbandes für Gedenkkultur, beim Pilze Sammeln Bestattungswälder grundsätzlich zu meiden. Ausnahmen bildeten lediglich Bereiche des Friedwaldes Heiligenberg im baden-württembergischen Bodenseekreis sowie die Ruheforste Ruppiner Heide im Nordwesten Brandenburgs sowie Creglingen im Main-Tauber-Kreis bei Bad Mergentheim: Hier würden unverrottbare Urnen – z.B. aus Edelstahl – verwendet.


Zum Verband für Gedenkkultur (VfG)

Im Verband für Gedenkkultur engagieren sich Berufsgruppen und ambitionierte Bürger, die sich für die gesellschaftliche Rückbesinnung auf die traditionelle Bestattungskultur ohne die Verbrennung Verstorbener sowie für den Erhalt und die Zukunft der 32 000 gewachsenen Friedhöfe in Deutschland einsetzen. Zu ihnen gehören Gewerke, die ihren Tätigkeitsschwerpunkt auf dem Friedhof haben, darunter Steinmetzen, Bronzegießer und Friedhofsgärtner, aber auch Landschaftsarchitekten, Maschinenhersteller, Journalisten. Gemeinsam sucht man den Schulterschluss zu Kommunen, Kirchen, Bestattern, Floristen, Sargherstellern, Hospiz-Vereinen, Selbsthilfegruppen von Hinterbliebenen, Naturschützern, regionalen Traditions- und Geschichtsvereinen oder Ortschronisten. Der VfG ist auch Initiator und Träger der 2015 erfolgten Bewerbung, die Friedhofskultur in Deutschland in die UNESCO-Liste des immateriellen Weltkulturerbes aufzunehmen. Seinen Sitz hat der Verband in Darmstadt.

 

Darmstadt, den 11. Oktober 2017


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